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Sommerwelle treibt Fehlzeiten in Baden-Württemberg auf Rekordniveau

08. Juni 2026

Sommerwelle treibt Krankenstand nach oben

Ende April galt die Grippesaison vielen als beendet. Doch die Techniker Krankenkasse registriert in Baden-Württemberg nun im Sommer einen deutlichen Anstieg an Fehltagen wegen Erkältungen, Grippe und anderen Atemwegsinfektionen. Die Junizahlen zeigen einen Anstieg gegenüber Mai und sprechen nach Einschätzung der TK-Landesvertretung von einer Sommerwelle, die im Vorjahr so nicht beobachtet wurde.

Zwischen Januar und Juni fehlten TK-versicherte Beschäftigte in Baden-Württemberg im Schnitt 2,1 Tage wegen Husten, Schnupfen oder Grippe; bundesweit lag der Wert bei 2,3 Tagen. Insgesamt erreichten die durchschnittlichen Fehltage in den ersten sechs Monaten 7,9 Tage und damit einen neuen Höchststand gegenüber 7,75 Tagen im Vorjahr. Zum Vergleich: Vor der Pandemie lagen die Fehltage im ersten Halbjahr 2019 bei durchschnittlich 6,5 Tagen.

Mögliche Ursachen benennt die TK mit Blick auf größere Menschenansammlungen bei Public Viewings zur Fußball-Europameisterschaft und Open-Air-Konzerten sowie wechselhaftes Sommerwetter mit kühleren, regnerischen Phasen, die die Verbreitung von Erregern begünstigen. «Die Ansteckungsgefahr ist grundsätzlich erhöht, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen», erklärt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg.

Die Situation wird durch anhaltenden Personalmangel im Gesundheitswesen verschärft: In vielen Regionen schließen Praxen, verbleibende Einrichtungen sind stark ausgelastet. Betroffene Patienten wenden sich dann häufiger an Notaufnahmen oder Notfallpraxen, besonders an Wochenenden und außerhalb regulärer Sprechzeiten. Eine Notfallpraxis in Stuttgart berichtete bereits im Mai von überdurchschnittlich vielen Patientinnen und Patienten, unter anderem weil HNO-Angebote in der Region reduziert wurden.

Ärztinnen und Ärzte vor Ort beklagen die wachsende Belastung ihrer Teams, die teils selbst krank sind oder besonders hohe Fallzahlen zu bewältigen haben. Sie fordern mehr Wahrnehmung und politische Maßnahmen, um ambulante Versorgung zu stabilisieren und die Notfallversorgung zu entlasten.

Die Auswertung für den TK-Gesundheitsreport basiert auf rund 5,7 Millionen bei der TK versicherten Erwerbstätigen, davon mehr als 600 000 in Baden-Württemberg. Experten sehen Handlungsbedarf bei Prävention bei Großveranstaltungen und bei der Stärkung ambulanter Strukturen, um Beschäftigte und Gesundheitsinfrastruktur im weiteren Verlauf des Sommers zu schützen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: swr.de
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