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Elternzeit ungleich verteilt: Drei Viertel der Kinderkrankentage werden von Müttern beantragt

11. Juni 2026

Mütter beantragen rund drei Viertel aller Kinderkrankentage in Rheinland-Pfalz

Eisenberg (Pfalz) — Eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt: Berufstätige Mütter übernehmen den Großteil der Betreuung kranker Kinder. Für das Jahr 2025 wurden landesweit 76 Prozent aller beantragten Kinderkrankentage von weiblichen AOK-Mitgliedern geltend gemacht.

Die Daten geben einen Einblick in die alltägliche Verteilung von Sorgearbeit: Pro Krankheitsfall wurden 2025 im Durchschnitt 2,5 Tage genommen. Insgesamt meldeten sich 3,6 Prozent der bei der AOK versicherten Eltern mindestens einmal wegen eines erkrankten Kindes arbeitsunfähig, so viele wie seit dem Coronajahr 2022 nicht mehr.

Rechtliches und finanzielle Folgen

Berufstätige und gesetzlich krankenversicherte Eltern können derzeit pro Jahr und Kind jeweils bis zu 15 Arbeitstage Kinderkrankengeld bei ihrer Krankenkasse beantragen, Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Für Familien mit drei oder mehr Kindern gilt eine gemeinsame Obergrenze von 70 Tagen. Voraussetzung ist ein ärztliches Attest, die Krankenkasse zahlt dabei 90 Prozent des ausgefallenen Netto-Gehalts.

Warum die Last ungleich verteilt ist

Der Beauftragte des Vorstandes der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, Udo Hoffmann, sieht mehrere Gründe für die ungleiche Verteilung: «Dass die Kinderkrankentage nicht gleichberechtigt aufgeteilt werden, dürfte auch daran liegen, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer.» Er begrüßte zudem, dass eine zwischenzeitlich diskutierte Kürzung des Kinderkrankengelds nicht umgesetzt wurde: «Eltern sollen frei entscheiden können, wer von beiden das kranke Kind zu Hause betreut und wer arbeitet.»

Folgen für Familien und Politik

Die Zahlen werfen Fragen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf. Wenn Mütter häufiger die Betreuung übernehmen, hat das Folgen für Einkommen, Karriereverläufe und Altersvorsorge. Experten fordern daher nicht nur kurzfristige Entlastungen, sondern auch strukturelle Maßnahmen wie flexiblere Arbeitszeiten, bessere Betreuungsangebote für kleine Kinder und gezielte Lohngerechtigkeit.

Die Auswertung bezieht sich auf Versichertendaten der AOK in Rheinland-Pfalz für das Jahr 2025 und zeigt, wie eng ökonomische Bedingungen und familiäre Verantwortungsaufteilung miteinander verwoben sind.

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