Mobiles Arbeiten treibt Krankenstand: Psychische Erkrankungen treiben Fehlzeiten in Deutschland in die Höhe
Mobiles Arbeiten verstärkt psychische Erkrankungen und treibt Fehlzeiten nach oben
Der Krankenstand in Deutschland bleibt auf hohem Niveau, getragen von einem deutlichen Anstieg psychischer Erkrankungen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Fehltage 2025 weiterhin erhöht sind und psychische Leiden einen immer größeren Anteil an der Arbeitsunfähigkeit haben.
Der BKK Dachverband meldet für 2025 einen Krankenstand von 5,83 Prozent, ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Auffällig ist jedoch der langfristige Trend: Seit 2016 stieg der Anteil psychischer Erkrankungen am Gesamtkrankenstand um mehr als 50 Prozent. Daten von Techniker Krankenkasse, DAK und Statista untermauern diesen Trend; die durchschnittlichen Fehltage wegen psychischer Probleme haben sich binnen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt.
Homeoffice als Risikofaktor für Einsamkeit und Belastung
Eine groß angelegte Auswertung von Daten der Jahre 2011 bis 2024 mit mehr als einer halben Million Personen zeigt einen signifikanten Zusammenhang zwischen mobilem Arbeiten und sinkender sozialer Vernetzung. Insbesondere Alleinlebende sind dem Bericht zufolge stärker von psychischer Belastung betroffen. Forschende schätzen, dass etwa ein Drittel des Anstiegs psychischer Belastungen seit der Pandemie auf die Zunahme von Homeoffice zurückzuführen ist.
Auch Kinder und Jugendliche sind betroffen: Die COPSY-Studie des Universitatsklinikums Hamburg-Eppendorf dokumentiert, dass rund 23 Prozent der Heranwachsenden psychische Auffälligkeiten zeigen, wobei Mädchen ab 14 Jahren verstärkt von Angst und Depression betroffen sind.
Berufe mit hoher Belastung
Die Belastung verteilt sich ungleich über die Berufsfelder. Das Wissenschaftliche Institut der AOK berichtet für 2023 besonders hohe Ausfallzeiten bei Führungskräften in der Gesundheits- und Krankenpflege: im Mittel 43,9 Tage je Fall bei Burn-out-Diagnosen. Insgesamt identifizierte die AOK für 2023 rund 186 000 Betroffene mit Burn-out, was sich in Millionen Krankheitstagen niederschlägt.
Politische Reaktionen und Kritik
Bundesgesundheitsministerin Warken plant Gegenmaßnahmen: Ein Gesetzentwurf sieht die Einführung einer Teilkrankschreibung vor. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen bei längerer Erkrankung ab vier Wochen mit abgestimmten stundenweisen Rückkehrmodellen 25, 50 oder 75 Prozent arbeiten können. Die Bundesregierung rechnet mit Einsparungen von 40 Millionen Euro im Jahr 2027, steigend auf 160 Millionen Euro bis 2030.
Parallel will die Regierung schärfere Regeln für Bürgergeldbezieher einführen. Ab Juli 2026 sollen Jobcenter bei wiederholter Arbeitsunfähigkeit psychiatrische Untersuchungen durch den Ärztlichen Dienst anstoßen können. Kritiker warnen, dass nicht medizinisch geschulte Sachbearbeiter die medizinische Beurteilung unterminieren könnten.
Finanzielle Belastungen für das Gesundheitssystem
Das Gesundheitssystem steht unter massivem finanziellem Druck. Marktforscher erwarten einen Anstieg der Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung auf über zwei Prozent. Ohne Gegensteuer könnte die Deckungslücke bis 2030 auf rund 40 Milliarden Euro anwachsen. Einige Krankenversicherer melden dennoch Wachstum: Die Signal Iduna Gruppe erhöhte 2025 ihre Beitragseinnahmen in der Krankenversicherung um 1,7 Prozent und verzeichnete auch im ersten Quartal 2026 weiteres Wachstum.
Die Zahlen zeichnen ein Bild, in dem technische Neuerungen und veränderte Arbeitsformen die Arbeitswelt nachhaltiger verändern als angenommen. Experten fordern bessere Vorsorge, gezielte psychosoziale Angebote und eine stärkere betriebliche Prävention, um die psychische Gesundheit der Beschäftigten wieder zu stabilisieren.

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