Zwischen Chefetage und Kinderzimmer: Warum immer mehr Manager-Eltern ausbrennen
Parental Burnout trifft zunehmend Führungskräfte und bedroht Karriere und Familie
Düsseldorf. Der Aufstieg in die Führungsebene und das erste Kind innerhalb kurzer Zeit kann zur Belastungsprobe werden. Julia Becker erlebte das 2021: neue Führungsverantwortung, hohe Erwartungen im Unternehmen und zugleich der Anspruch, eine perfekte Mutter zu sein. Die Folge: körperliche Symptome, anhaltende Erschöpfung und das Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht zu werden.
Parental Burnout beschreibt ein Erschöpfungssyndrom, das aus chronischem elterlichen Stress entsteht. Betroffene verlieren Freude an der Elternrolle, ziehen sich emotional zurück und sehen ihre Leistungsfähigkeit im Beruf schwinden. Studien schätzen den Anteil Betroffener in westlichen Industriestaaten auf rund neun Prozent, während Umfragen der Kaufmännischen Krankenkasse zeigen, dass viele Eltern häufig oder sehr häufig gestresst sind und sich ausgebrannt fühlen.
Die Folgen reichen von gesundheitlichen Beschwerden bis zu einer erhöhten Kündigungsbereitschaft. Entscheidend ist deshalb, Belastungen früh zu erkennen und gegenzusteuern. Aus Sicht von Expertinnen und Betroffenen helfen strukturierte Maßnahmen sowohl auf persönlicher als auch auf organisatorischer Ebene.
Praktische Strategien gegen Parental Burnout
- Realistische Erwartungen setzen: Erwartungen an die eigene Leistungsfähigkeit im Job und zuhause anpassen und Prioritäten klar bestimmen.
- Grenzen ziehen: Feste Arbeitszeiten, digitale Abschaltzeiten und klare Verantwortlichkeiten im Haushalt festlegen.
- Ressourcen mobilisieren: Unterstützung im Team suchen, Aufgaben delegieren und Familie oder Freunde einbinden.
- Unternehmen ansprechen: Flexible Arbeitsmodelle, Teilzeitarbeit, Elternzeitregelungen und psychologische Angebote können Schutz bieten.
- Professionelle Hilfe nutzen: Gespräche mit Therapeutinnen, Coachings oder Selbsthilfegruppen können bei Überlastung wirken.
Unternehmen und Führungskräfte müssen das Thema ernst nehmen: Präventive Angebote, offene Führungskultur und konkrete Maßnahmen zur Vereinbarkeit können langfristig Leistung und Bindung sichern. Für Betroffene gilt, Belastungszeichen früh zu erkennen und Hilfe anzunehmen, bevor die Erschöpfung chronisch wird.
Die Erfahrung von Julia Becker zeigt, dass Veränderung möglich ist. Mit klaren Prioritäten, Unterstützung und professioneller Hilfe kehrte Stabilität in ihren Alltag zurück. Ihr Rat an andere in ähnlicher Lage lautet knapp und eindringlich: «Sich selbst ernst nehmen, bevor alles zusammenbricht».

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