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Präsentismus in Deutschland: Warum Krankarbeiten zum Alltag geworden ist

13. April 2026

Präsentismus gefährdet Gesundheit und Produktivität

Eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse zeigt: Krank zur Arbeit zu gehen ist kein Randphänomen mehr. Nur etwa 16,5 Prozent der Befragten gaben an, nie zu arbeiten, wenn sie krank sind. Fast drei Viertel sehen Krankheit nicht automatisch als Freibrief für Ausfall, 26,6 Prozent arbeiten sogar häufig oder sehr häufig trotz Beschwerden.

Besonders auffällig ist, dass 43 Prozent der Teilnehmenden angaben, auch trotz offizieller Krankschreibung zu arbeiten; bei Beschäftigten unter 29 Jahren liegt der Anteil bei knapp 50 Prozent. Die zunehmende Verbreitung von Homeoffice verstärkt den Trend: 46 Prozent der Befragten sagen, dass sie im Homeoffice häufiger arbeiten, obwohl sie sich krank fühlen.

Warum Beschäftigte krank weiterarbeiten

Die Studie nennt mehrere Gründe, die regelmäßig genannt werden:

  • Es gab keine Vertretung.
  • Die Erkrankung wurde als nicht ansteckend eingeschätzt.
  • Aus schlechtem Gewissen gegenüber Kolleginnen und Kollegen.
  • Dringende Aufgaben oder Termine.
  • Weil die Arbeit Freude macht.

Ein überraschender Befund: Arbeitszufriedenheit korreliert positiv mit Präsentismus. Wer gern zur Arbeit geht, neigt eher dazu, auch bei Krankheit zu arbeiten.

Die Folgen reichen von Fehlern bis zu Burnout

Präsentismus ist mehr als ein individuelles Verhalten. Wenn Beschäftigte krank arbeiten, sinkt die Konzentration, die Fehlerquote steigt und in bestimmten Branchen kann das Unfallrisiko zunehmen. Anhaltendes Arbeiten trotz Beschwerden kann die Genesung verzögern und im schlimmsten Fall zu längerer Arbeitsunfähigkeit oder Burnout führen. Führungskräfte, die selbst krank präsent sind, senden ein problematisches Signal an das Team.

Was gilt bei Krankschreibung und Ab wann ist man zu krank?

Formal gilt: Spätestens nach dem dritten Krankheitstag ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erforderlich. Seit der Pandemie sind telefonische Krankschreibungen bei Atemwegserkrankungen möglich. Rechtsmedizinisch ist eine Krankschreibung kein pauschales Arbeitsverbot: Wer sich eines Tages wieder fit genug fühlt, kann auch während einer Krankschreibung arbeiten. Der Arbeitgeber darf Beschäftigte jedoch nach Hause schicken, wenn die Fürsorgepflicht dies erfordert.

Arbeitgeber sind in der Pflicht

Die Studie zeigt zudem, dass viele Beschäftigte klare Regeln vom Unternehmen erwarten, besonders für das Homeoffice. 65 Prozent der Befragten haben bislang keine Vorgaben ihres Arbeitgebers zu diesem Thema wahrgenommen. Unternehmen sollten deutlich machen: Wer krank ist, bleibt zuhause und erholt sich. Nur so lassen sich Gesundheitsschutz und langfristige Leistungsfähigkeit sichern.

Fazit: Krank arbeiten mag kurzfristig Engpässe überbrücken, langfristig schadet Präsentismus der Gesundheit und der Produktivität. Sowohl Führungskräfte als auch Personalverantwortliche sind gefragt, klare Signale zu senden und Vertretungsstrukturen zu schaffen, damit niemand aus Pflichtgefühl seine Gesundheit aufs Spiel setzt.

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