Leichter Rückgang bei Krankschreibungen, Psychische Leiden an der Spitze
Krankschreibungen in der ersten Jahreshälfte leicht gesunken, Psychische Leiden dominieren
Die Zahl der Arbeitsausfälle ist nach einer aktuellen Auswertung der DAK-Gesundheit in der ersten Hälfte dieses Jahres leicht zurückgegangen. Durchschnittlich waren Beschäftigte 9,6 Tage arbeitsunfähig geschrieben, nach 9,9 Tagen im gleichen Zeitraum 2025. Trotz des Rückgangs bleiben Langzeiterkrankungen und psychische Erkrankungen eine große Belastung für Unternehmen und Gesundheitswesen.
Für die Analyse wertete das Iges-Institut Daten von rund 2,2 Millionen Versicherten aus. Der Krankenstand sank demnach von 5,4 Prozent auf 5,3 Prozent, was bedeutet, dass an jedem Tag im Mittel 53 von 1000 Beschäftigten krankgemeldet waren.
Ursachen und Altersmuster
Die häufigste Ursache für Fehlzeiten sind inzwischen psychische Erkrankungen wie Depressionen. Sie verzeichneten einen Zuwachs von etwa neun Prozent und liegen bei 184 Fehltagen je 100 Versicherten. Atemwegserkrankungen, die im Vorjahr dominant waren, nahmen deutlich ab und liegen nun bei 175 Fehltagen je 100 Versicherte. Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen folgen knapp dahinter mit 174 Fehltagen je 100 Versicherten.
Betrachtet nach Altersgruppen sank die Ausfallquote vor allem bei Erwerbstätigen unter 55 Jahren, am stärksten bei Jüngeren. Bei den Über-60-Jährigen stieg der Krankenstand leicht an; es wurden weniger Krankschreibungen eingereicht, die einzelnen Ausfälle dauerten aber meist länger.
Politische Reaktion und geplante Regeln
Die Bundesregierung plant strengere Vorgaben rund um die Krankschreibung, um Fehlzeiten in Firmen zu verringern. Vorgesehen ist unter anderem, die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag zur Regel zu machen statt wie bisher ab dem vierten Tag. Die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung soll abgeschafft werden. Zugleich weist das Gesundheitsministerium auf die Option hin, Bescheinigungen per Videosprechstunde auszustellen.
Als weiteres Instrument wurde die Einführung von Teilkrankschreibungen beschlossen. Beschäftigte sollen bei längeren Erkrankungen die Arbeitszeit teilweise reduzieren können, etwa zu 25, 50 oder 75 Prozent der üblichen Wochenarbeitszeit, wenn Arbeitgeberin oder Arbeitgeber und Mitarbeitende dem zustimmen.
Stimmen aus dem Gesundheitswesen
Vertreter der Krankenkassen begrüßen den Rückgang, warnen aber vor der Herausforderung durch Langzeiterkrankungen. Kritiker aus der Ärzteschaft und Berufsverbänden warnen davor, Patientinnen und Patienten allein wegen bürokratischer Nachweise zusätzlich in überfüllte Praxen zu holen. Die elektronische Übermittlung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die seit 2022 gilt, hat nach Einschätzung von Behörden ebenfalls zu einer vollständiger erfassten Zahl an Fehlzeiten beigetragen.
Ob der leichte Rückgang ein nachhaltiger Trend ist, bleibt offen. Für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber wie auch das Gesundheitswesen steht die Frage im Raum, wie sich kurzfristige Schwankungen in der Krankheitslage von strukturellen Problemen wie wachsenden psychischen Erkrankungen unterscheiden lassen.

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