Klartext vom Geldexperten: Warum viele Entlastungspläne nur oberflächliche Erleichterung bringen
Entlastungen wirken punktuell, nicht dauerhaft
Die jüngsten Maßnahmen der Bundesregierung lösen kurzfristig einzelne Probleme, schaffen aber nach Einschätzung von Experten keine umfassende Entlastung für Haushalte deutschlandweit. Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen beurteilt Reformen wie die Abschaffung der Riester-Rente, die Senkung der Energiesteuer und Anpassungen bei den Krankenkassenbeiträgen nüchtern: Teilweise sinnvoll, oft jedoch unzureichend.
Altersvorsorge: Neues Depot statt Riester, aber mit Bedingungen
Die Regierung ersetzt die klassische Riester-Rente durch ein Altersvorsorgedepot, das flexibler und günstiger wirken soll. Tenhagen sieht das als Verbesserung, warnt jedoch davor, dass der Nutzen nur dann real wird, wenn die Gebühren strikt gedeckelt werden. Nur bei Kosten von maximal 0,5 % pro Jahr bliebe das Depot tatsächlich eine lohnenswerte Alternative für Verbraucherinnen und Verbraucher. Tenhagen erinnert zudem daran, dass private Vorsorge weiterhin nötig ist: «Frauen bekommen im Schnitt deutlich weniger Rente», erklärt er, und verweist auf die Belastung durch Care-Arbeit und schlechter bezahlte Berufe. Sein praktischer Rat: besser spät anfangen als gar nicht – selbst mit 55 und monatlich 250 € in einen ETF sind nach realistischer Rendite mehrere Zehntausend Euro möglich.
Gesundheit: Beiträge steigen weniger stark, Familienversicherung als Weckruf
Bei den Krankenkassenbeiträgen erwartet Tenhagen künftig eine geringere Dynamik beim Anstieg. Der Wegfall der kostenlosen Familienversicherung könnte für viele Frauen ein Anreiz sein, in besser bezahlte Beschäftigungen zu wechseln und unabhängig von der Mitversicherung über den Partner zu werden. Ein regelmäßiger Vergleich der Kassen bleibt nach wie vor ratsam.
Sprit und Pendler: Symbolische Hilfe statt struktureller Lösungen
Die Senkung der Energiesteuer bringt an der Zapfsäule für wenige Wochen nur geringe Ersparnisse von rund 0,17 € pro Liter. Tenhagen kritisiert das als keine dauerhafte Entlastung und bewertet die aktuelle Pendlerregelung als unverhältnismäßig zugunsten von Gutverdienenden. Sein Vorschlag: statt pauschaler Steuererleichterungen wäre ein einkommensunabhängiges Energiegeld pro Kilometer gerechter, und eine temporäre Vergünstigung des Deutschlandtickets würde Pendlerinnen und Pendlern effektiver helfen.
Drei schnelle Reformen, die Tenhagen sofort umsetzen würde
- Den Spitzensteuersatz später beginnen lassen, etwa erst bei 80 000 bis 90 000 € und dafür bei sehr hohen Einkommen ab 150 000 € stärker belasten.
- Den Grundfreibetrag auf 17 000 € anheben, damit mehr Einkommen steuerfrei bleibt und Mini-Jobs weniger attraktiv erscheinen.
- Die Erbschaftssteuer neu regeln, um verfassungsrechtliche Ungerechtigkeiten zu beheben und hohe Vermögen angemessener zu besteuern.
In der Bewertung Tenhagens sind viele der aktuellen Maßnahmen sinnvoll als einzelne Schritte, doch es fehle oft der Blick auf Verteilungsgerechtigkeit und dauerhafte Entlastung. Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschlandweit sollten daher genau hinsehen, welche Reformen ihnen wirklich nützen und wo Symbolpolitik überwiegt.

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