Regierung plant Stopp beim Hautkrebs-Screening – Mediziner warnen vor gravierenden Folgekosten
Geplantes Aussetzen des Hautkrebs-Screenings gefährdet Prävention und erhöht Kosten
Kassel – Die Bundesregierung erwägt im Zuge der Haushaltskonsolidierung, das gesetzliche Hautkrebsscreening vorübergehend auszusetzen. Die von der Regierung eingesetzte FinanzKommission Gesundheit sieht in einer zeitweiligen Aussetzung ein jährliches Einsparpotenzial von rund 240 Millionen Euro und hat zugleich den Gemeinsamen Bundesausschuss beauftragt, die Wirksamkeit des Programms erneut zu prüfen.
Dermatologinnen und Dermatologen sowie Vertreter der Krankenkassen schlagen Alarm. Das Screening, das gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren alle zwei Jahre zusteht und ohne konkreten Verdacht systematisch nach Hautveränderungen sucht, gilt für Experten als zentrale präventive Maßnahme. Der Präsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, Dr. Ralph von Kiedrowski, kritisiert die Pläne scharf und warnt vor einer Aushöhlung der Krebsfrüherkennung: «Würden Untersuchungen nur noch bei bereits sichtbaren Symptomen erfolgen, würde der Sinn eines Screenings aufgehoben.»
Die FinanzKommission favorisiert mittelfristig ein risikobasiertes Verfahren, in dem nur noch bestimmte Personengruppen gezielt eingeladen werden. Ferdinand Gerlach, Vorsitzender der Kommission, begründet den Vorschlag mit einer umstrittenen Nutzenbewertung: Er verweist auf Studien, die keinen eindeutigen Überlebensvorteil durch das jetzige Screening zeigten, und nennt international unterschiedliche Praktiken als Beispiel.
Medizinerinnen und Krankenkassen weisen jedoch auf praktische und epidemiologische Risiken hin. Während der Pandemie führten ausbleibende Untersuchungen zu Verzögerungen bei Diagnosen; nach der Wiederaufnahme wurden größere Tumore festgestellt, die schlechtere Heilungschancen bedeuteten. Besonders beim malignen Melanom steigt das Metastasenrisiko mit zunehmender Tumordicke deutlich ab 1,01 Millimeter, betonen Expertinnen und Experten.
- Steigende Fallzahlen: Stationäre Behandlungen wegen Hautkrebs sind laut Statistischem Bundesamt in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen, beim hellen Hautkrebs sogar massiv.
- Folgekosten: Fachverbände warnen, dass später entdeckte Tumoren aufwendigere Therapie und höhere Kosten nach sich ziehen werden.
- Verhaltensrisiko: Ein einmal unterbrochenes Vorsorgeangebot lässt sich schwer wieder im Bewusstsein der Bevölkerung verankern.
Auch Krankenkassen zeigen sich skeptisch. Ein Sprecher des AOK-Bundesverbandes bezeichnete einen vorübergehenden Stopp vor einer abschließenden Bewertung durch den G-BA als problematisch; die Techniker Krankenkasse betonte, erst nach einer politischen Entscheidung und einer erneuten Expertenbewertung konkrete Schlussfolgerungen ziehen zu können.
Die Debatte berührt grundlegende Entscheidungen über Prävention, Versorgungssicherheit und Haushaltsprioritäten. Fachgesellschaften fordern eine transparente politische Auseinandersetzung über Nutzen, Risiken und die langfristigen finanziellen Folgen einer Aussetzung. Solange wissenschaftliche Bewertungen und die Einschätzung des Gemeinsamen Bundesausschusses nicht vorliegen, fordern viele Akteure, das bestehende Angebot beizubehalten, um nicht vorsorglich an der falschen Stelle zu sparen.

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