Wenn Führungspflichten und Elternrolle kollidieren: Wie Manager-Eltern Parental Burnout verhindern können
Wenn Karrierepflicht und Elternanspruch kollidieren
Düsseldorf. Bei Julia Becker fielen 2021 gleich mehrere Lebenswelten zusammen: die erste Führungsposition in einem mittelständischen Unternehmen und das erste Kind. Der Druck, im Job präsenter und leistungsfähiger zu wirken als Kolleginnen und Kollegen ohne Kinder, führte bei ihr zu einem intensiven Konflikt zwischen beruflichen Erwartungen und dem eigenen Anspruch als Mutter. Becker erinnert sich noch an die Zeit, als sie tagelang durchweinte und stressbedingt büschelweise Haare verlor. Sie steht exemplarisch für ein wachsendes Problem unter Führungskräften mit Kindern: das sogenannte Parental Burnout.
Betroffene erleben häufig eine schwindende Freude an der Elternrolle, eine emotionale Distanz zu ihren Kindern und das Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Parallel sinkt die Leistungsfähigkeit im Job, die Fehlertoleranz nimmt ab, und viele denken über einen Arbeitsplatzwechsel nach. Studien gehen davon aus, dass etwa neun Prozent aller Eltern in westlichen Industriestaaten betroffen sind. Eine Umfrage der Kaufmännischen Krankenkasse zeigt, dass 62 Prozent der Eltern mit minderjährigen Kindern sich häufig oder sehr häufig gestresst fühlen und fast 70 Prozent von Erschöpfung berichten.
Praktische Strategien gegen die Erschöpfungsspirale
Die gute Nachricht: Parental Burnout ist nicht zwangsläufig unabwendbar. Expertinnen und Experten empfehlen eine Kombination aus persönlichen Schutzstrategien und strukturellen Veränderungen im Unternehmen. Bewährte Maßnahmen sind:
- Klare Zeitgrenzen setzen: Arbeitszeitfenster festlegen und nicht dauerhaft erreichbar sein; feste Familienzeiten schützen.
- Delegieren und Priorisieren: Aufgaben am Arbeitsplatz und zu Hause gezielt abgeben und Erwartungen neu justieren.
- Unterstützung organisieren: Netzwerke aus Partnern, Familie, Freunden oder professionellen Diensten nutzen; Betroffene sollten Angebote annehmen, statt alles allein zu schultern.
- Führungskräfte sensibilisieren: Vorgesetzte sollten Burnout-Risiken erkennen, flexible Arbeitsmodelle ermöglichen und eine Kultur gegen Leistungswahn fördern.
- Selbstfürsorge und Behandlung: Ausreichender Schlaf, Bewegung, Pausen und bei Bedarf psychologische Hilfe oder Coaching in Anspruch nehmen.
Unternehmen können durch familienfreundliche Policies, realistische Zielvorgaben und transparente Kommunikation erheblich zur Prävention beitragen. Kleine Veränderungen im Führungsverhalten, etwa das offenkundige Akzeptieren von Teilzeitmodellen oder das Vorleben von Erholungszeiten, entlasten Beschäftigte messbar.
Ein Appell an Arbeitgeber und Betroffene
Parental Burnout ist ein Thema mit wirtschaftlicher und menschlicher Dimension: Es kostet Talente, Produktivität und Gesundheit. Für betroffene Managerinnen und Manager gilt es, frühzeitig Warnsignale ernst zu nehmen und aktiv Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Für Unternehmen besteht die Chance, durch gezielte Unterstützung nicht nur die Gesundheit ihrer Führungskräfte zu schützen, sondern auch langfristig die Leistungsfähigkeit und Loyalität zu sichern.
Julia Becker fasst ihre Erfahrung so zusammen: «Es war nicht die eine Krise, sondern die Summe kleiner Überforderungen. Erst als ich Unterstützung suchte und meine Grenzen sichtbar machte, kam eine Wende.»

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