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Rentenkommission empfiehlt Ende der Midijob-Entlastung – Tausende könnten netto verlieren

07. August 2026

Vorschlag der Rentenkommission würde Midijobber deutlich mehr belasten

Die Alterssicherungskommission empfiehlt, die besonderen Beitragsregeln furs Arbeiten im sogenannten Ubergangsbereich abzuschaffen. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland arbeiten derzeit in Midijobs. Fiele die Vergunstigung weg, drohen vielen Betroffenen merkliche Einbußen im Nettoeinkommen.

Der Ubergangsbereich umfasst 2026 Monatsverdienste zwischen 603,01 Euro und 2 000 Euro. Bislang zahlen Midijobberinnen und Midijobber nicht von Beginn an den vollen Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung, sondern werden stufenweise entlastet. Nach dem Vorschlag der Kommission sollen diese Erleichterungen entfallen, sodass ab dem ersten Euro der regulare Arbeitnehmerbeitrag faellig wird.

Ein Alltagsbeispiel aus Hann. Münden

Kalinka, 41 Jahre alt, arbeitet Teilzeit in einer Bäckereifiliale in Hann. Münden und verdient 1 200 Euro brutto im Monat. Nach der derzeitigen Midijobformel wird ihre Beitragsgrundlage reduziert, sodass sie im Moment rund 180,77 Euro Eigenbeiträge zahlt. Ohne die Midijobregelung wuerden sich ihre Sozialversicherungsbeiträge auf etwa 253,80 Euro erhöhen. Das bedeutete monatlich rund 73 Euro weniger Verfugbares.

Hochgerechnet entsprächen diese Mehrbelastungen etwa 876 Euro binnen zehn Jahren. Abhängig vom Zusatzbeitrag der Krankenkasse und den individuellen Versicherungsmerkmalen kann die konkrete Summe variieren. Besonders empfindlich trafen die Belastungen Menschen mit sehr niedrigen Midijobs, Alleinerziehende oder Teilzeitbeschäftigte im Einzelhandel, in der Gastronomie, in der Reinigung oder in der Pflege.

Wie stark wären die Einbußen?

  • Bei 700 Euro brutto: rund 119 Euro mehr Sozialabgaben pro Monat
  • Bei 900 Euro brutto: rund 100 Euro mehr pro Monat
  • Bei 1 200 Euro brutto: rund 73 Euro mehr pro Monat
  • Bei 1 500 Euro brutto: rund 46 Euro mehr pro Monat
  • Bei 1 800 Euro brutto: rund 18 Euro mehr pro Monat
  • Ab 2 000 Euro brutto: keine Veraenderung

Mehr Beiträge, aber nicht automatisch mehr Rente

Ein oft genanntes Argument fur hoehere Beiträge ist die Erwartung hoeherer Rentenanspruche. Seit Juli 2019 werden Rentenanspruche von Midijobbern jedoch bereits aus dem tatlichen Bruttolohn berechnet. Damit fuhren hohere Eigenbeitrage nicht zwangslaufig zu mehr Rentenpunkten; Betroffene zahlen mehr ein, ohne automatisch mehr Altersanspruche zu erwerben.

Begründung der Kommission und offene Fragen

Die Kommission kritisiert, dass die bisherige Entlastung weder Haushaltssituation noch Stundenumfang berucksichtigt. So profitiere etwa eine Person mit hohem Stundenlohn und wenigen Arbeitsstunden genauso wie eine Vollzeiterwerbstatige mit niedrigem Stundenlohn. Die Kommission pladiert stattdessen fur zielgerichtete Unterstutzung uber das Steuerrecht oder steuerfinanzierte Sozialleistungen. Bislang ist aber nicht geklart, wie ein solcher Ausgleich konkret aussehen soll.

Was nun?

Wichtig ist: Es handelt sich bislang um eine Empfehlung. Die Bundesregierung will die Vorschlage prufen und ein umfassendes Reformpaket zur Alterssicherung erarbeiten. Erst ein Gesetzgebungsverfahren entscheidet daruber, ob und wann die Gleitzone abgeschafft wird und in welcher Form Betroffene moeglicherweise entlastet werden. Bis zu einer gesetzlichen Neuregelung gelten die bisherigen Bestimmungen weiter.

Kurzfassung

  • Empfehlung der Alterssicherungskommission: Abschaffung der Midijob-Gleitzone
  • Folge fur Betroffene: Hoehere Sozialversicherungsbeiträge und niedrigeres Nettoeinkommen, besonders bei sehr niedrigen Midijobs
  • Rentenanspruche: Bereits jetzt werden Rentenpunkte aus dem vollen Bruttolohn berechnet, daher bringen hoehere Eigenbeitrage nicht automatisch mehr Rente
  • Status: Empfehlung, noch kein Gesetz
Der Bericht stützt eine Nachricht von: gegen-hartz.de
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