Jobmesse vernetzt 150 Arbeitssuchende mit zehn Ausstellern und senkt Einstiegsbarrieren
Ein Gespräch öffnet oft mehr als ein Lebenslauf
Tönisvorst · Bei der regionalen Jobmesse im Evangelischen Gemeindezentrum suchten rund 150 Menschen direkt das Gespräch mit Arbeitgebern und Bildungsträgern. Die Veranstaltung, organisiert von der Wirtschaftsförderung Tönisvorst in Kooperation mit der Barmer, sollte Hemmschwellen wie fehlende Abschlüsse, lückenhafte Lebensläufe und Sprachbarrieren mindern.
Vor einem Informationsstand steht Fadil Alani in einer kurzen Warteschlange. Der aus Syrien Geflüchtete hat eine Weiterbildung zum Auslieferungsfahrer absolviert und sucht eine Vollzeitstelle, weil ein Minijob bei der Post nicht ausreicht. Für Teilnehmer wie ihn ist die Messe eine Chance, den formalen Bewerbungsprozess zumindest partiell zu umgehen: «Oft scheitern Menschen wegen ihres Lebenslaufs. Diesen Schritt können wir hier überspringen», sagt John Aliu vom Jobcenter Kreis Viersen, der die Besucher am Eingang empfing.
Direkter Austausch statt Papierkrieg
Auf der Messe präsentierten sich in diesem Jahr zehn Unternehmen und Bildungsträger, darunter die Königsgruppe, die Pegelsgruppe, EGN und Pannier Filtertechnik sowie zwei Personaldienstleister. Das Jobcenter hatte 200 Arbeitssuchende eingeladen, 140 folgten der Einladung. Ziel war, niedrigschwellige Begegnungen zu ermöglichen und erste Kontakte für weiterführende Gespräche zu schaffen.
- Teilnehmerzahl insgesamt: etwa 150
- Einladungen des Jobcenters: 200, erschienen: 140
- Aussteller: zehn Unternehmen und Weiterbildungsträger
Nachhaltiger Erfolg bleibt oft eine Folgearbeit
Trotz positiver Eindrücke ist die Nachfrage je nach Branche sehr unterschiedlich. Für einen Ausbildungsplatz in der Pflege am Alexianer Krankenhaus stellten sich bis zur Mittagszeit rund 20 Interessierte vor; wirklich infrage kamen davon nach Angaben der Azubi-Verantwortlichen Sabrina Hubertz nur sehr wenige. Probleme seien fehlende Schulabschlüsse, Sprachbarrieren und mangelndes Interesse an einer Ausbildung mit längerer Bindung. Dennoch sieht Hubertz den Messeauftritt als Erfolg: «Wir sind hier, um Ängste abzubauen und über die Arbeit in der Pflege zu informieren.»
Auch Bildungsträger wie die FAR Group nutzten die Möglichkeit, auf konkreten Qualifizierungsbedarf hinzuweisen: etwa Teilzeitqualifikationen oder verkürzte Ausbildungen zum Lkw- oder Busführerschein sowie Unterstützung beim Erwerb des Führerscheins für potenzielle mobile Pflegekräfte.
Arbeitsmarkt im Kreis Viersen
Die Arbeitsagentur meldet für den Kreis Viersen eine Arbeitslosenquote von 6,1 Prozent im August; 10 029 Menschen waren ohne Arbeit. Innerhalb des Geschäftsstellenbezirks Kempen, zu dem auch Tönisvorst zählt, lag die Quote bei 4,9 Prozent. Langzeitarbeitslose und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Sprachproblemen gelten weiterhin als besonders schwer zu integrieren.
Elmar Korn von der Agentur für Arbeit weist darauf hin, dass die Messe lediglich ein Baustein sei: «Arbeitgeber suchen Menschen, die wirklich möchten, nicht, die müssen.» Wirtschaftsförderer Markus Hergett betont den gesellschaftlichen Anspruch der Veranstaltung: «Im Idealfall entlasten Wiedereingliederungen die Sozialkassen.» Viele Vermittlungen entstünden allerdings erst im Nachgang, in weiterführenden Gesprächen und gezielten Qualifizierungsangeboten.
Insgesamt zeigte die Jobmesse in Tönisvorst die Bedeutung niedrigschwelliger Kontaktmöglichkeiten: Für manche Besucher war ein kurzes Gespräch der erste Schritt auf dem Weg in eine stabile Beschäftigung.