Belgien alarmiert: Langzeitkranke rutschen immer öfter in finanzielle Not
Langzeitkranke verlieren sozialen und wirtschaftlichen Boden
Eine Studie der Christlichen Krankenkasse CM zeichnet ein besorgniserregendes Bild: Menschen mit langanhaltenden Erkrankungen geraten in Belgien zunehmend in finanzielle Schieflagen. Viele Betroffene schieben demnach Arztbesuche auf oder verzichten auf notwendige Behandlungen, weil sie die Folgen für ihr Budget fürchten.
Luc Van Gorp, Vorsitzender der CM, warnt davor, dass geringe Ersatzleistungen und steigende Lebenshaltungskosten die Betroffenen an den Rand der Armut bringen können. Er fordert die Regierung auf, gezielte Schutzmechanismen zu schaffen. Dazu gehöre unter anderem ein gesicherter Zugang zu Sozialtarifen für Energie, damit Menschen trotz Krankheit ihre Heiz- und Stromkosten weiter bedienen können.
Staat will Rückkehr in Arbeit unterstützen
Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke reagierte auf die Kritik der Krankenkasse mit dem Hinweis, dass ein Arbeitsplatz der beste Schutz gegen Armut sei. Die Regierung kündigt an, Langzeitkranke beim schrittweisen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu begleiten und passende Unterstützungsangebote auszubauen. Individuelle Begleitung, berufliche Rehabilitation und angepasste Fördermaßnahmen sollen den Übergang erleichtern.
Parallel hat die Regierung laut Vandenbroucke das Drittzahler-System in weitere Bereiche des Pflege- und Gesundheitswesens ausgeweitet. Das soll dazu führen, dass Patientinnen und Patienten bei Behandlungen und Arztbesuchen weniger direkte Eigenleistungen leisten müssen. Für Versicherten mit erhöhtem Anspruch auf Kostenrückerstattung sei zudem ein oberes Limit für Honorarzuschläge festgelegt worden, um Zusatzbelastungen zu dämpfen.
Appell für umfassende Schutzmaßnahmen
Die CM fordert über die kurzfristigen Erleichterungen hinaus eine systematische Absicherung, damit Erkrankung nicht automatisch zu sozialer Ausgrenzung führt. Neben der finanziellen Entlastung nennen Expertinnen und Experten Prävention, bessere Zugänge zu Reha-Angeboten und stärkere Vernetzung von Gesundheits- und Sozialdiensten als zentrale Stellschrauben.
Die Debatte zeigt die Spannbreite der Herausforderung: medizinische Versorgung, soziale Sicherung und Arbeitsmarktpolitik müssen ineinandergreifen, um Langzeiterkrankten ein Leben ohne existenzielle Bedrohung zu ermöglichen.