Akademie am Limit: TK‑Studie dokumentiert alarmierende Burnout‑Raten unter Hochschullehrern
Professoren leiden massiv unter Stress und Arbeitsüberlastung
Eine gemeinsame Studie der Techniker Krankenkasse und der Ludwig‑Maximilians‑Universität München zeichnet ein düsteres Bild der deutschen Wissenschaft: Von mehr als 2.000 befragten Hochschullehrern geben fast zwei Drittel an, häufig oder dauerhaft erheblichen Stress zu erleben. Acht Prozent berichten, in den vergangenen sechs Monaten ein Burnout erlitten zu haben, und über 85 Prozent sehen ihre Gesundheit durch die Arbeit gefährdet.
Die Untersuchung PROFESS macht lange Arbeitszeiten und fehlende institutionelle Unterstützung als zentrale Ursachen aus. Im Mittel arbeiten die Lehrenden 54 Stunden pro Woche, oft auch an Wochenenden oder im Urlaub. Rund 40 Prozent fühlen sich von ihrer Hochschule oder Fakultät alleingelassen. Yvette Hofmann von der LMU weist darauf hin, dass die Kombination aus hohem Aufgabenvolumen und fehlender Entlastung enormen psychischen Druck erzeugt.
Arbeitspsychologen betonen, dass Machtgefälle und Angst vor Nachteilen beim Ablehnen zusätzlicher Aufgaben die Abgrenzung erschweren. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten, in denen mit Stellenkürzungen gedroht wird, verstärkt sich dieses Verhalten, sodass unbezahlte Mehrarbeit zum Alltag vieler Lehrender wird.
- Durchschnittliche Wochenarbeitszeit: 54 Stunden
- Häufiger oder dauerhafter Stress: knapp 65 Prozent
- Burnout in sechs Monaten: acht Prozent
- Keine institutionelle Unterstützung: rund 40 Prozent
Die Debatte geht über individuelle Vorsorge hinaus: Experten fordern strukturelle Maßnahmen, etwa das Recht auf Unerreichbarkeit in der Freizeit und klare Regelungen, die ein Nein ohne Karrierenachteile ermöglichen. Länder mit gesetzlichen Grenzen für digitale Erreichbarkeit berichten von positiven Effekten auf die Arbeitskultur.
Ökonomisch sind die Folgen erheblich. Psychische Erkrankungen treiben die Fehlzeiten in Deutschland auf ein Rekordniveau und verursachen hohe Kosten. Fachleute warnen, dass es nicht ausreicht, allein auf die Resilienz der Beschäftigten zu setzen. Unternehmen, die Flexibilität einfordern, müssten im Gegenzug verlässliche Strukturen und Rückhalt bieten.
Die Studienautoren sehen Politik und Führungskräfte in der Pflicht: Nur wenn Abgrenzung als professionelle Fähigkeit anerkannt und gefördert wird, lasse sich der Wettbewerb um Fachkräfte mit gesunden Arbeitsbedingungen entscheiden. Die Ergebnisse gelten als Weckruf für Hochschulen, Wissenschaftspolitik und Arbeitgeber.
München, 08. März 2026

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